Wie entsteht eine Allergie

Prinzipiell kann der Hundekörper auf jede Substanz eine Allergie auslösen. Es bestehen jedoch erhebliche Unterschiede in der Allergiepotenz einzelner Stoffe, also darin, wie häufig und wie ausgeprägt ein Stoff eine Allergie auslöst. Weiterhin reagieren unterschiedliche Hunderassen besonders sensibel auf unterschiedliche Allergene. Hunde mit allergischer Disposition können gegen manche Futtermittel eine Sensibilität entwickeln. Einige Futtermittel sind jedoch besonders häufig für allergische Reaktionen verantwortlich (Getreide, Hühnchen, Rind.....)

Ist der Verdauungstrakt des Hundes geschädigt und die natürliche Darmflora beeinträchtigt, (die Darmflora spielt dabei eine zentrale Rolle, sie besteht aus Millionen von nützlichen Bakterien, die wie ein dichter Belag die Darminnenwände überziehen) ist das Immunsystem nicht voll funktionstüchtig. Die Mikroorganismen gehen mit dem Darm eine Zweckgemeinschaft ein, sie trainieren das Immunsystem, verhindern die Ansiedelung krankmachender Keime und produzieren lebenswichtige Vitamine wie Vitamin B, Biotin und Folsäure. Durch einen übermäßigen Befall durch z. B. Ektoparasiten befindet sich das Abwehr- bzw.
Immunsystem in einer ständigen Alarmbereitschaft. Daher kommt es zu einer schnelleren Allergieantwort des Körpers bei Kontakt mit dem Allergen.

 

Erblich erworbene Veranlagung
Bei der Entstehung von Allergien sind zwei Faktoren maßgeblich beteiligt :
Die erbliche und die erworbene Veranlagung. Die Vererbungslehre unterscheidet zwischen den Phänotyp und dem Genotyp. Der Phänotyp (= äußeres Erscheinungsbild) stellt das wahrnehmbare Gesamterscheinungsbild eines Hundes dar und ist das Ergebnis aus vererbter Anlage und der Umwelt. Der Genotyp (= Erbbild) beschreibt alle, also auch die nicht erkennbaren inneren Merkmale und Anlagen (Interieur, vererbte Krankheiten). Vereinfacht dargestellt werden bestimmte Merkmale dominat, rezessiv oder intermediär vererbt. Der Nachkomme erhält immer je ein Merkmal der drei vorher genannten Typen von je einem Elterntier. Ist ein krankheitsauslösendes Merkmal eines Elterntieres dominant oder intermediär, dann ist das für den Nachkommen der Grundstein für eine Erkrankung. Für die Erklärung der Vererbung von Erbkrankheiten oder Allergien kommt allerdings erschwerend hinzu, dass die oben genannten Merkmale auch gemischt bzw. kombiniert übertragen werden können. Erbkrankheiten und Erbfehler werden also hauptsächlich multifaktorell weitergegeben. Dabei können die vererbten Merkmale überdeckt werden und erst erscheinen wenn die durch bestimmte Umweltfaktoren ausgelöst werden. Solche Umweltfaktoren können Ernährungsmängel, Haltungsfehler oder Stoffwechselstörungen sein. Ohne Zweifel muss auch die Neigung zu Allergien eines Hundes zu den Erbfehlern gerechnet werden. Fest steht in diesem Zusammenhang, dass die vererbten Fehler von den Elterntieren in unterschiedlicher Weise an die Nachkommen weitergegeben werden. Diesen Umstand beschreibt die Genetik mit dem Begriff Heredität. Daneben scheint erwiesen, dass Erbkrankheiten und Allergien vornehmlich von der Hündin stammen, weniger vom Rüde. Bei der erworbenen Veranlagung spielt das Zusammenwirken mehrerer äußerer Bedingungen eine wesentliche Rolle : Zeit, äußere Einflüsse, Stress u. a.


Es kann vorkommen, dass ein Hund zum Beispiel im Rahmen seiner Aufzucht ständig mit bestimmten Stoffen konfrontiert wurde und auf diese Stoffe- zusammen mit einer geerbten Anlage- eine unterschwellige Sensibilität entwickelt hat. Dieser allergisch prädisponierte Hund zeigt dann z. B. zehn Jahre lang keine allergische Auffälligkeit oder Symptome. Aber irgendwann kann es unter bestimmten äußeren umständen plötzlich und ohne erkennbare Beeinflussung zum Ausbruch einer allergisch bedingten Erkrankung kommen. Steht der sensibilisierte Organismus also unter bestimmten Einflüssen, kommt es zur allergischen Erkrankung.

Jede Behandlung einer Immunschwäche hat sich als Ziel gesetzt, eine Stärkung und Vermehrung von T- Abwehrzellen, eine erhöhte Produktion von Immunblockaden durch eine Reduzierung zu vieler T- Kontrollzellen zu erreichen.
Auch hier ist wieder Prostaglandin E1 als wichtige immunregulatorische Substanz am Zug, die zudem die Zellmembranen schützt und widerstandsfähiger gegenüber Angriffen von außen macht sowie die lebenswichtige Zellatmung unterstützt.


Allergieauslösende Substanzen
Histamin ist als allergieauslösende Substanz bekannt.
Histamin kann typische Hautsymptome wie Rötung, Schwellung und Juckreiz auslösen. Manchmal ist dies das einzige Symptom bei einem allergischen Hund. Wiederkehrende Ohrenentzündungen oder Hautprobleme, die sich über eine größere Hautfläche ausbreiten werden auch häufig beobachtet. Neben der körpereigenen Histaminproduktion- im Rahmen von allergischen Erkrankungen- spielt die Aufnahme von Histamin durch die Nahrung eine nicht unerhebliche Rolle. Fehlgärungen (Dysbiosen) im Darm des Hundes gehören auch dazu. So gebildetes Histamin kann zu allergischen Erscheinungen führen. Empfindliche Hunde sie zu Allergien neigen, können nach der Aufnahme histaminhaltiger Nahrung allergische Erscheinungen zeigen. Hier spielt die Allergieneigung, die aufgenommene Histaminmenge, sowie die Darmsituation und allgemeine Stoffwechsellage des Hundes eine erhebliche Rolle.

Luftbestandteile, Staubträger
Allergene : Pilzsporen, Blütenpollen, Tiermilbe

Allergengruppe Gräserpollen / Einzelallergene
Hafer, Hundszahnkraut, Knäuelgras, Lieschgras, Weidelgras, Roggen, Ruchgras, Schilf, Weißes Straußgras, Weizen.....

Allergengruppe Kräuterpollen / Einzelallergene
Beifuss, Brennnessel, Gänseblümchen, Löwenzahn, Margerite, Quecke, Raps, Sauerampfer, Spitzwegerich

Allergengruppe Baumpollen / Einzelallergene
Ahorn, Birke, Buche, Eiche, Erle, Esche, Haselnuss, Kiefer, Linde, Nussbaum, Pappel, Ulme, Wacholder

Allergengruppe Schimmel- und Hefepilze (Pilzsporen) / Einzelallergene
Alternaria tenius, Aspergillus clavatus, Aspergillus fumigatus, Candida albicans, Cladsporum herbarum...........

Allergengruppe Nahrungs- und Futtermittel / Einzelallergene
Gerste, Buchweizen, Dinkel, Gluten, Hafer, Hirse, Mais, Reis, Roggen, Weizen

Allergengruppe Obst / Gemüse / Einzelallergene
Apfel, Aprikose, Banane, Birne, Brombeere, Erdbeere, Karotte, Kürbis, Mandarine, Melone

Allergengruppe Milben / Insekten / Einzelallergene
Floh, Hausstaubmilbe, Kriebelmücke, Staubmilbe, Stechmücke, Zecke

Allergengruppe Arzneimittel / Einzelallergene
Acetylsalicylsäure, ACTH, Ambroxal, Amoxycillin, Ampicillin, Barbiturate, Benzocain, Bromhexin, Carbenicillin, Cefachlor, Chloramphenicol, Diclofenac, Ethoform, Ibuprofen, Insulin, Ketoprofen, Lidocain, Metamizol, Metronidazol, Naproxen, Nystatin, Oxacillin, Paracetamol, Phenacetin, Phenobarbital, Phenylbutazon, Procain, Streotomycin, Sulfamethoxazol, Thyroxin, Trimethoprim, Tryptophan............

Allergien auf Medikamente haben in den letzten Jahren stetig zugenommen. Allerdings werden auch mehr Medikamente als früher verabreicht. Besonders häufig treten Allergien auf Antibiotika, Sulfonamide, Antiphlogistika, Antiparasitika aber auch Impfstoffe stehen auf der Liste der möglichen Auslöser bei empfindlichen Hunden. Es können alle vier Allergietypen vorkommen, unabhängig davon, ob die Allergene lokal, peroral oder per Injektion in den Körper gelangen.


Allergieformen

Futterallergie
Unter einer Futterallergie versteht man eine juckende Hauterkrankung als Folge einer allergischen Reaktion auf Futterbestandteile oder auf deren Abbauprodukte. Die allergen wirkenden Futterbestandteile gelangen via Darm und Blut in die Haut und lösen dort eine allergische Reaktion den Typ- I, III oder IV aus. Eine Futterallergie kann in jedem Alter, bei allen Hunderassen auftreten.
Symptome
Jegliche Art von Hautveränderungen kann auftreten. Charakteristisch ist ein intensiver Juckreiz. Die Hautveränderungen sind oft sekundär. Am häufigsten findet man am Unterbauch Pappeln oder Pusteln und ein deutliches Erythem (rötlich, entzündete Haut).

Atopie (Inhalationsallergie)
Atopie bezieht sich auf eine familiär gehäuft auftretende, meist massiv juckende, allergische Krankheit. Die entstehenden IgE- Antikörper reagieren mit dem Antigen und rufen eine Typ I- Reaktion hervor. Genetisch bedingte Prädisposition, auf in der Umgebung vorkommende Antigene zu bilden, welche sich an Hautmastzellen anheften. Als Allergene kommen alle Arten von Antigenen in Frage, die eine humorale oder zelluläre Immunantwort auslösen können. Am häufigsten findet man Allergien auf Hausstaubmilben, Vorratsmilben, Schimmelpilze, Gräser- und Baumpollen
Symptome: Intensiver Juckreiz, am häufigsten am Kopf, in den Achseln und an den Pfoten. Im späteren verlauf kann der ganze Körper betroffen sein. Primäre Hautveränderungen fehlen. An den typischen Lokalisationen sind sekundäre Läsionen infolge Kratzen, Beißen und Knabbern festzustellen oder Haarverfärbungen durch Belecken vorhanden. In gewissen Fällen treten die Symptome zuerst saisonal auf, nämlich Frühling bis Herbst (Pollensaison, Hausstabmilben) oder im Winter (trockene Raumluft, vermehrt Staub oder Pilzsporen).

Allergische Kontaktdermatitis
Eine allergische Dermatitis ist eine juckende Hautveränderung der haararmen oder haarlosen Körperstellen des Allergietyps IV. Als Ursache kommen Allergene oder häufiger Haptene in Frage, die nach mehrmaligem Kontakt zu einer Sensibilisierung von T- Lymphozyten führen. Die Dauer vom Zeitpunkt des Kontaktes bis zu allergischen Reaktion beträgt minimal 12 bis 72 Stunden. Als Allergene oder Haptene kommen u. a. in Frage : Textilfasern (Pflanzen und synthetisches Gewebe), Farbstoffe zum Einfärben von Geweben, Futtergeschirr, Haushaltsreiniger usw. Außerhalb des Hauses kommen Farben, Holzschutzmittel, Pflanzen, Pollen, Düngemittel, Medikamente, Pflegeprodukte, Flohhalsbänder, Desinfektionsmittel und Insektizide usw.
Symptome: Erythem, Pappeln, Pusteln, Krusten, Ulzeration etc. an meist haarlosen Stellen wie Bauch, Pfoten, Analgegend etc. die primären Hautveränderungen werden durch das ständige Lecken verwischt.

Bei einer Kreuzallergie irrt sich das Immunsystem: Am Beispiel der pollenassoziierten Nahrungsmittelallergie verwechselt es die Allergene der Pollen mit Eiweißen in der Nahrung. Eine Kreuzallergie auf Nahrungsmittel kann auch bei anderen Allergien gegen eingeatmete Allergene auftreten.
Das bekannteste Beispiel ist dabei das Birkenpollen-Nuss-Obst-Syndrom. Dabei verwechselt das Immunsystem die Proteine im Apfel mit denen der Birkenpollen. Die Folge: Verzehrt ein Birkenpollenallergiker einen Apfel, löst das eine allergische Reaktion im Körper aus.
Wer auf Penicillin allergisch reagiert, hat nicht selten auch bei anderen Breitband-Antibiotika Symptome.
Auch zwischen verschiedenen Lebensmitteln gibt es Kreuzallergien, zum Beispiel beim Genuss von Fisch, Eiern und Kuhmilch.
Hühnerei-Allergiker reagieren evtl. auf Ente, Gans, Hühnerfleisch, Truthahn
Wer auf Frühblüher reagiert, verträgt hauptsächlich kein rohes Gemüse wie Sellerie, Karotte, Tomate.
Bei Gräser- oder Getreidepollenallergikern können Reaktionen auf rohe Tomate, Melone auftreten.
Viele Hunde reagieren auch nach der Verfütterung von Äpfeln mit starkem Juckreiz. Polyphenole sind sekundäre Pflanzenstoffe und haben eine antioxidative Wirkung. In älteren Apfelsorten sind sie in ausreichender Menge vorhanden. In den Neuzüchtungen so gut wie gar nicht mehr. Für Allergiker sind sie aber lebenswichtig da sie das Apfelallergen unschädlich machen. In Cox Orange oder Boskoop sind noch sekundäre Pflanzenstoffe enthalten.